Heute möchte Dich einladen zu einem sehr spannenden Selbstexperiment.
Ich mache das besonders gern am Sonntag, den ganzen Tag hindurch.

Start jetzt sofort. Geht ganz einfach. Zum Hintergrund schreibe ich später oder am Ende etwas.

Vorbereitung:
1. Such dir einen schönen Sitzplatz, einen bequemen Stuhl oder Sessel. Bei dem schönen Sonnenwetter heute vielleicht, warm angezogen, an der frischen Luft.
2. Leg einen kleinen Block oder eine Schreibunterlage und einen Bleistift erreichbar in Deine Nähe.
3. Stell die Timerfunktion Deines Smartphones auf die gewünschte Zeit, die Du für dieses Experiment investieren möchtest. Ich rate anfänglich zu 90 – 120 Minuten. Diese Zeit muss frei von Terminen, Verpflichtungen jeder Art sein. Sorg dafür das du allein bist, ungestört für die Dauer des Experiments. Totaler Open Space. Dann das Smartphone stumm schalten !!!


Ablauf:
4. Setz dich auf den Stuhl. Warte ab, was passiert. Ich verspreche Dir, es dauert nicht lange und ein erstes Bedürfnis taucht in Form eines Gedankens auf. Bspw: „Ich würde gern eine Tasse Kaffee oder ein Gläschen Rotwein dazu trinken“.


5. Setz diesen Gedanken, dieses Bedürfnis in aller Ruhe, aber sofort in die Tat um. Ohne Bewertung, nicht zensieren, nicht auf später verschieben. Einfach machen!


6. Setz Dich erneut auf Deinen schönen Platz. Es wird, versprochen, wiederum nicht lange dauern, bis der nächste Impuls aus deinem Inneren auftaucht. Vielleicht Appetit, Pinkeln, jemanden eine WA schicken. Taucht ein Wunsch auf, welcher die Dauer des Experiment deutlich übersteigt, z.B. die Idee ein Buch zu schreiben oder den Kompost um zu setzen, schreib ihn auf den bereitliegenden Block. Diese Gedanken sind wichtig, würden dich aber während des Experiments hindern, mehrere „Runden“ zu drehen und zu erleben. Wirst du z. B. müde, mach ein Nickerchen oder eine Siesta.


7. Setz dich wieder auf Deinen Stuhl. Starte immer wieder bei Punkt 4. Bis der Timer klingelt.

8. Reflexion: Wie fühlt sich das Experiment an? Wenn ich einfach nur unmittelbar in der Gegenwart lebe, orientiert an den eigenen Bedürfnissen. Machte es Spass? Gab es Widerstände und Abwertung: „so ein Blödsinn, was soll das? Was gibt es da zu lernen ? Gab es Überraschungen?


Sinn und Hintergrund: (musst du jetzt nicht lesen, ist nicht so wichtig wie das Erleben des Experimentes selbst.)

Das Experiment führt praktisch ein in das Kernelement moderner Lebenskunst: Bewusstheit (Awareness).

Das Experiment lässt dich bewusst, die ständig bei allen Menschen ablaufende Gestaltbildung und -zerstörung erleben. Was in diesem Experiment aus dem Hintergrund der Psyche in den Vordergrund deiner Gedanken tritt, sind deine eigenen aktuellen Bedürfnisse. Im normalen Alltag werden diese Impulse all zu oft, fast ständig, nicht wahrgenommen und schon gar nicht beachtet. Vielmehr bestimmen stattdessen Termine, Verpflichtungen, nicht enden wollende Aufgaben, perfekt priorisiert und in to-do-Listen gespeichert, Pläne, langfristige Ziele und Absichten und schliesslich die Erwartungen anderer in unseren jeweiligen beruflichen und privaten Rollen, unser Handeln. Allgemein nennen wir das alles zusammen Stress. Das macht nicht sehr zufrieden. Durchs Leben zu hetzen, nach immer mehr Besitz, Einfluss, und Anerkennung zu streben, ist legitim – Lebenskunst ist das nicht. Dazu gehört meiner Meinung nach mehr. Bspw. Bewusstheit.

Dieses kleine Experiment führt zu unmittelbarem Leben in der Gegenwart. Schärft die Wahrnehmung für das, was wir aktuell wirklich wollen und brauchen. Den ganzen Prozess nennt die Gestalttherapie die Organismische Selbstregulation. Unser eigener Organismus führt einmal kurz Regie, nicht der Terminkalender, die Kinder oder sonst wer/was.

Bewusstheit gibt uns die Möglichkeit in der Gegenwart zu leben. Im optimalen Fall erleben wir uns selbst und die Umwelt vom Augenblick zum Augenblick, wobei jeder Augenblick neu und spannend ist, weil spontan, nicht geplant und beabsichtigt. Dieses Gefühl von Neuheit macht uns lebendig, verbessert die Stimmung, macht zufrieden und gelegentlich glücklich. Probieren geht über studieren.

Gutes Gelingen. Hab eine gute, lebendige Zeit. Wie immer freue ich mich über Austausch und Kommentare.

Herzlichst Harald.

Praktiker der Lebenskunst-60plus