Die Art und Weise wie wir sprechen und zuhören. 

Jedes Gespräch, jede Kommunikation besteht aus zwei Teilen: Dem Inhalt – was wir sagen, und dem Stil – wie wir es sagen. Der Kommunikationsstil ist je nach Intention und Situation frei wählbar, vorausgesetzt wir haben unsere Gefühle im Griff was besonders bei Zeitdruck und Stress nicht immer der Fall ist. Trotzdem gilt: Jeder Stil hat besondere Inhalte und erfordert unterschiedliche Fertigkeiten des Sprechens und Zuhörens.

Heute ist der Kontaktstil mein Thema.

Der Kontaktstil dient im Besonderen dem Aufbau einer Beziehung mittels Kommunikation. Der Kontaktstil steht also oft am Anfang des Gesprächs. 

Innerhalb des Kontaktstils unterscheidet man das Routinegespräch und den Small-Talk.

Das Routinegespräch

Die oft zahlreichen täglichen Routinegespräche sind unverzichtbar damit unser Alltag läuft. Beruflich und privat kann es zu sehr vielen solcher kurzer Gespräche an einem Tag kommen. 

Immer wenn du berichtest, was du kürzlich gemacht hast: „Den Restmüll habe ich schon runtergebracht“. Oder Angaben machst zu Fakten und Wahrnehmungen, z.B. dass die Butter teurer geworden ist, führst Du ein Routinegespräch. Weitere Beispiele für Themen sind das Nachfragen, Terminabsprachen, Routineentscheidungen und allgemeine Informationen zum Alltag.

Der Small-Talk

Dieser freundliche, manchmal humorvolle Stil hilft, miteinander warm zu werden, in Kontakt zu kommen und zu bleiben, ohne gleich ein intensives offenes Gespräch zu führen. Wenn du eine lockere Atmosphäre im Gespräch schaffen möchtest ist der Small-Talk erste Wahl. Wenn du entspannt und ungezwungen sein willst, ist er bestens geeignet. Alles was die Harmonie stören könnte, wird hier nämlich vermieden. 

Beispiel für einen Small-Talk:

Bernd und Horst treffen sich auf dem Wochenmarkt. Sie kennen sich seit etwa zwei Jahren. Wohnen in einer gleichen Straße. Horst ist mit Christine verheiratet. Bernd lebt getrennt von seiner Frau. Beide haben einen Sohn in der Pubertät. Auf einem Grillabend, bei einem gemeinsamen Nachbarn, hatten sie sich kennengelernt und festgestellt, dass sie beide Fans vom FC Schalke 04 sind und gern mit dem Rad fahren. Sie waren Bekannte geworden, trafen sich sporadisch und zufällig.

Horst eröffnet das Gespräch: 

„Hallo Bernd, na, alles im grünen Bereich?“ Horst blickt Bernd freundlich an. Er lächelt. Eine körperliche Umarmung wäre zu viel Nähe gewesen. Ein Händeschütteln zu förmlich. Einsfünfzig Abstand passt. Bernd antwortet nicht auf die Frage. Stattdessen fragt er seinerseits: „…und bei dir ?“ Ohne auf eine Antwort zu warten, stellt er gleich eine zweite Frage: „ Gut das wir uns grad treffen. Sag mal, hast Du Frieda (die getrennt lebende Ehefrau von Bernd) in der letzten Zeit gesehen? Antwort, wieder kurz und knapp: „Nö! -aber herrliches Wetter heute, oder? Diesmal antwortet Bernd: „Ja super! Will heute nachmittag eine ordentliche Strecke mit dem Rad raus, habe etwas zugelegt. Hast Du schon was eingekauft ?“. „Ja, brauchte heute nicht viel. Gestern war ich auch mit dem Rad unterwegs.“ „Und ? Wo warst Du?“„Nur kurz mal um den Pudding, mir fiel die Decke auf den Kopf“. „War Christine denn nicht da?“. „Wir hatten Stress weil ich Nils (den pubertierenden Sohn) zu hart angefasst hatte, ihrer Meinung nach.“ „Ja, passiert schnell. Mein Björn ist auch nicht einfach zur Zeit. Wirst Du am Wochenende im Stadion sein? „Weiß noch nicht genau. Unser Rasenmäher hat den Geist aufgegeben und der Rasen wächst grad wie verrückt. Du – übrigens. Nimm es mir nicht übel, ich muss los! Habe gleich einen Termin zur Probefahrt beim Fahrradhändler, vielleicht kaufe ich mir ein E-Bike.“„Alles klar. Dann mach es gut. Bis bald mal wieder. Und alles Gute mit Christine und Nils.“   

Dieses fiktive Gespräch zeigt wesentliche Merkmale des Small-Talks. Das möchte ich nun ein wenig kommunikationstheoretisch mit den folgenden Fragen aufdröseln:

Über was wurde gesprochen?

Während der kurzen Begegnung von Bernd und Horst sprachen sie über 10 Themen an, von der aktuellen Befindlichkeit, dem Wetter, die Beziehung zu ihren Söhnen bis zu guten Wünschen zum Abschied. Der häufige Themenwechsel gehört zur DNA des Kontaktstils und wird in solchen Gesprächen in der Regel nicht negativ sanktioniert – anders gesagt: sie sind erlaubt. Themen werden nur angerissen – nie vertieft. Wird ein Thema doch eingehender besprochen, findet damit der Wechsel in einen anderen Kommunikationsstil statt. Dazu vielleicht in einem weiteren Beitrag später mehr.

Small-Talk-Gespräche drehen sich thematisch meist um Allerweltsthemen wie Wetter, Nachrichten, Sport, Hobbies, Familie allgemein, insbesondere die Kinder (nicht nach der Beziehung zur*m Partner*in fragen – das Feld könnte vermint sein), und Ereignisse von allgemeinem Interesse. 

Begrüssen und Abschiednehmen, Plaudern, kurze Episoden aus dem Alltag erzählen, nicht böse gemeinte Scherze, leichte Ironie, den anderen ein wenig foppen, kurze Informationen, Austausch aktueller Ereignisse, sind kennzeichnend.

Bernd und Horst sprachen hauptsächlich über Themen, die vergangene, gegenwärtige und zukünftige Handlungen betreffen. Einige wenige Fakten wurden angesprochen. Und einen Teil ihrer Gedanken teilten sie sich mit. 

Beim Thema Stress in der Familie bot Horst kurz ein persönliches familiäres Thema, mit Potenzial zur Vertiefung, an. Er öffnete sich ein wenig, aber Bernd überhört das, ging nicht darauf ein. Im Small-Talk völlig in Ordnung.

Über was wurde nicht gesprochen? 

Kennzeichnend für den Kontaktstil ist, dass nicht über Gefühle gesprochen wird. Allenfalls über „positive“ in Richtung Freude, Spaß, Begeisterung, Zufriedenheit. Niemals über die „negativen“ Gefühle wie Wut, Angst, Enttäuschung, Scham oder Trauer und Schmerz. 

So blieben denn auch zwischen Horst und Bernd, die evtl. vorhandenen Gefühle der Wut und Enttäuschung über die gescheiterte Ehe, ebenso im Hintergrund wie die Sorgen um und die Schwierigkeiten mit den pubertierenden Jungs.

Über persönliche Wünsche, Absichten und Ziele für sich und andere – sprachen die beiden ebenfalls nicht. Lediglich ein materieller Wunsch, das E-Bike, blitzte am Ende auf. 

Wie wurde gesprochen?

Freundlich, zugewandt, locker. Kurz und knackig. Mit Augenkontakt und ohne körperliche Berührung. Eine Prise positives Interesse am Anderen – aber dessen Autonomie stets wahrend. Small-Talk kann die Laune verbessern und, häufiger angewendet, sogar die Stimmung heben.

Welche Kommunikationsfertigkeiten (Skills) setzten Bernd und Horst ein?

Für eine umfassende Kommunikation sind sechs Gesprächsfertigkeiten erforderlich:

  • Selbstverantwortlich sprechen
  • Sinnesdaten mitteilen, mit Fakten belegen
  • Gedanken mitteilen
  • Gefühle äußern
  • Absichten, Ziele, Wünsche mitteilen
  • Über Handlungen sprechen und Entscheidungen mitteilen

Bernd und Horst sprachen durchgehend selbstverantwortlich miteinander, d.h. die jeweilige Aussage wurde mit einem persönlichen Fürwort (Ich, mein, usw.) verbunden. Sinnesdaten wurden mitgeteilt (Frieda nicht gesehen). Gedanken mitgeteilt (Umgang mit den Söhnen). Und schließlich über vergangene, gegenwärtige und zukünftige Handlungen (Radtouren, Markteinkauf, Stadionbesuch, E-Bike).

Wie wurde zugehört ?

In Routinegesprächen und im Small-Talk sind die Gesprächspartner nicht uneingeschränkt auf das Gespräch konzentriert. Ab und zu hörst du evtl. nur mit einem „halben Ohr“ zu. Es ist in Ordnung, gleichzeitig in der Zeitung zu blättert, das Gemüse zu schnippeln oder das Radio laufen zu lassen. 

Theoretisch nennt man diese Form des Zuhörens „Entspanntes Zuhören“. Dabei verhälst du dich wie ein neugieriges Publikum, das offen ist für alles, was der Gesprächspartner anbietet. Du zeigst grundsätzliches Interesse an den Themen, ohne allerdings zu viel Energie in das Gespräch zu investieren.

Typische Merkmale des Entspannten Zuhörens sind

  • nur teilweise Aufmerksamkeit
  • flüchtiger Blickkontakt
  • beiläufige Bestätigung von Botschaften
  • sparsame Körpersprache
  • gegenseitig akzeptiertes „ins Wort fallen“

Du merkst schon: Das Entspannte Zuhören ist nicht der Zuhörstil für intensive, ernsthafte Gespräche. Manchmal nervt das auch einen der Gesprächspartner, ruft Ungeduld oder sogar Ärger hervor, wenn sich einer der Gesprächspartner größeres Engagement oder mehr persönliche Betroffenheit wünscht. In jedem Fall ist dieser Zuhörstil aber zu eingeschränkt und zu wenig engagiert um bei wichtigen und ernsthaften Themen zum Kern der Sache vorzudringen.

Welche Fragen wurden gestellt?

Das Fragenstellen ist das wichtigste kommunikative Instrument um ein Gespräch in eine bestimmte Richtung und Tiefe zu lenken. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr in die Theorie der Fragekompetenz einsteigen. Nur soviel: Wer fragt der führt (das Gespräch) lautet ein bekannter Grundsatz. Der Fragende zeigt Interesse, tatsächlich oder taktisch begründet. Der Fragende möchte vielleicht auf etwas Besonderes hinaus. Im Kontaktstil allerdings dienen Fragen eher dem guten Gesprächsfluss. 

Horst und Bernd stellten sowohl geschlossene als auch offene Fragen. Geschlossene Fragen kannst Du mit Ja oder Nein beantworten, allgemein bekannt nehme ich an. Offene Fragen hingegen werden, auch „W-Fragen“ genannt. Sie beginnen mit den Worten „Wie, was, welche… Sie lassen die Antwortmöglichkeiten offen, die Richtung und die Intensität des weiteren Gesprächs überlässt du dann dem Partner. Das kann durchaus riskant sein, wenn du es mit einem Gesprächspartner zu tun hast, der zur Weitschweifigkeit neigt und du gar nicht so viel Informationen haben wolltest, weil vielleicht auch die Zeit fehlt. Beide Fragearten haben also ihre Berechtigung, je nach Situation. 

Beruflich müssen wir häufig schnell zu einem Gesprächsergebnis kommen. Feedback-, Beziehungs- und Konfliktlösungsgespräche kannst du nicht nur mit geschlossenen Fragen führen. Als Psychotherapeut stelle ich bewusst viele offene Fragen, z.B. „Welche Gefühle löst diese Situation in Ihnen aus?“. Zum Ende einer Sitzung wenn es um mögliche Vorsätze und Umsetzungsschritte geht, helfen geschlossene Fragen nach Zeitpunkten, Orten, also nach Fakten und zukünftigen Handlungen, um ein möglichst konkretes Ergebnis der Sitzung zu erzielen.

Ergänzende Betrachtungen

Zwei meiner (geliebten) Rituale, der Besuch des Herforder Wochenmarktes und die täglichen Hundespaziergänge, sind mein regelmäßiges Übungsfeld für den scheinbar einfachsten Kommunikationsstil. Während die Routinegespräche tatsächlich recht einfach zu führen sind, lässt sich der Small-Talk zur Kunst entwickeln. Alle die im Verkauf tätig sind wo es bspw. im Einzelhandel darauf ankommt, schnell einen freundlichen Kontakt zu fördern, wissen um die Macht dieses Stils – oder eben auch nicht. „Wer nicht lächeln kann, sollte kein Geschäft eröffnen“ lautet sinngemäß ein chinesisches Sprichwort. Leider wird es all zu oft nicht befolgt. 

Als ich, vor meiner Selbstständigkeit, ausschließlich als Psychotherapeut tätig war und die Klienten zumeist sehr belastet zu mir kamen, hatte ich wenig Gelegenheit den Kontaktstil zu pflegen. Ehrlich gesagt, meine Wertschätzung für diesen Stil war damals weitaus nicht so hoch wie heute. Zudem war nach einem Arbeitstag voller therapeutischer Sitzungen, mein Kontaktbedürfnis gesättigt und der Wunsch nach Small-Talk tendierte gegen null. Heute mache ich mir ein Spaß daraus zu versuchen, zu jedem Menschen der mir begegnet einen kurzen freundlichen Kontakt her zu stellen, was natürlich nicht immer gelingt – aber doch sehr häufig und viele nette Kontakte haben sich daraus ergeben. 

Der Kontaktstil ist, wie Alkohol, ein „soziales Schmiermittel“ ersten Ranges.

Privat als Freund, guter Bekannter, Elternteil oder Partner, hilft er enorm gute, positive Beziehungen zu fördern. Humor und eine Prise Schlagfertigkeit sind wichtige Gewürze. 

Die meisten Menschen mögen Freundlichkeit. Manche tun sich aber ausgesprochen schwer, weil Small-Talk nicht zur eigenen Person zu passen scheint. Das mag so sein, doch einen Hinweis möchte ich abschließend geben: Es lohnt sich an der eigenen Kompetenz, diesen Stil zu beherrschen, aktiv zu arbeiten. Er ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, beruflich und privat. Und er ist mit gutem Willen lernbar. Viel Spaß.